Lesungen

Neuerscheinung Toman Brod's Erinnerungen "gut, dass man nicht weiss was kommt"

Portrait Brod Cover Toman Brod liest am 15.03.2013 um 12.30 Uhr in Halle 3, Stand B500, LESUNG im Rahmen von "LEIPZIG LIEST" aus der NEUERSCHEINUNG  "gut, dass man nicht weiss was kommt"

ISBN 978-3-9810192-5-4 Preis: 29,50 €, gebunden, mit Anhang und Bildteil

 

Der HERGET Verlag freut sich sehr, Herrn Dr. Toman Brod als Autor und Vortragenden für "Leipzig liest" gewonnen zu haben und mit seiner Lesung den unmittelbaren Teil der neuen Reihe MEINE GESCHICHTE beginnen zu können. Seine bereits in Tschechischer Sprache vorliegenden Erinnerungen an die Zeit von 1929 - 1989 wurden von Anna Knechtel und Gudrun Heißig übersetzt. Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds und die Sudetendeutsche Stiftung fördern das Vorhaben großzügig. Die deutschsprachige Ausgabe von "gut, dass man nicht weiss was kommt" ist unter der ISBN 978-3-9810192-5-4 in Ihrer Buchhandlung bestellbar.

 

Stimmen:

 

Die Lebensgeschichte des Prager Historikers, der Auschwitz durch Zufall überlebte, Kommunist wurde, seine Überzeugung wandelte, die Charta 77 unterzeichnete und Wirklichkeits-Wahres sowie -Weises zu sagen hat, das vor allem für ein deutsches Publikum von hoher moralpolitischer Wichtigkeit ist. Brods Einsatz gegen Totalitarismus, gegen Ächtung und Verfolgung Andersdenkender und Anderssprachiger, sein Einsatz für Menschenrechte und Verständigung innerhalb der tschechischen Gesellschaft bei Einsatz für Verständigung und Versöhnung zwischen slawisch-sprachigen und deutsch-sprachigen Menschen der böhmischen Länder ist vorbildhaft.  

Lucie Černohousová, Leiterin des Prager Literaturhauses deutschsprachiger Autoren (2011)

 

Seine schicksalsbedingte Wandlung und Reifung von Ansichten und Werten verdienen es, wie gesagt, in Deutschland bekannt zu werden, insbesondere bei unserer Jugend, die Idole und Ideale braucht, mehr als das gemeinhin in der Öffentlichkeit zum Ausdruck kommt.  ... Eine Übersetzung des Toman-Brod-Werkes wäre daher nicht nur zu begrüßen, sie erscheint vielmehr notwendig, damit die Jugend in Deutschland, da vor allem die Nachfahren der Vertriebenen/Abgeschobenen, merken, dass Václav Havel keine „böhmische“ Einzelerscheinung war, dass sich die deutsch-tschechische Zukunft weiter positiv entwickeln kann und dass der heutige Stand nur ein Zwischenstadium ist. Das Buch von Toman Brod appelliert weiters nachhaltig zum Engagement in Gesamteuropa für die konsequente Verwirklichung der Menschenrechte. 

Franz Peter Künzel, Übersetzer und Redakteur der Zeitschrift „Sudetenland“

Textauszug [Übersetzung: Anna Knechtel]

Eines Tages Mitte Oktober wurde ich in die Lagerküche geschickt, um beim Kartoffelschälen zu helfen. Kaum hatte ich mich an die Arbeit gemacht, kam jemand und rief, daß auf dem nahegelegenen Platz eine Gruppe von Jungens stehe und sich zur Abfahrt aus dem Lager bereitmache. Im selben Augenblick lief ich – ohne nachzudenken  – hinaus und stellte mich dazu. Irgendein SS-Mann war dabei, die fähigen „Anwärter“ auszuwählen. Als jedoch die Reihe an mich kam, wies er mit der Hand in Richtung der kleineren Gruppe, die aussortiert worden war. Und wieder entschied ich mich blitzschnell und lief hinter seinem Rücken unbemerkt auf die gegenüberliegende Seite…

Die ausgewählten Burschen, wir waren etwa fünfzehn oder zwanzig Personen, wurden zum Anschlußgleis geführt, wo bereits ein Zug bereit stand. Alles geschah wie üblich mit solcher Geschwindigkeit, daß mir mein Freund „Rocek“ von all meinen Sachen nur ein Stückchen Brot bringen konnte – ich habe ihn damals zum letzten Male lebend gesehen.

Aber habe ich durch meine geistesgegenwärtige Tat mein Leben gerettet? Habe ich richtig gehandelt? Darüber denke ich oft nach.

Die Antwort ist, so scheint es, eindeutig: ich bin ja schließlich am Leben geblieben. Ich habe jedoch in einer katastrophalen Verfassung überlebt, während diejenigen, die in Birkenau blieben, das Kriegsende in einer relativ zufriedenstellenden Verfassung erlebten – aber eben nur die Hälfte von ihnen.

In welcher Hälfte hätte ich mich wohl befunden?

Der Mensch weiß nämlich in Wirklichkeit nie, was ihn erwartet. (Hätte ich gewußt, was mich erwartet, wäre ich nicht auf die andere Seite gelaufen!) Und deshalb kann man sich niemals sicher sein, ob die Entscheidung, die man trifft,    egal, um was es geht –  eine richtige und weise Entscheidung ist.